Freitag, 1. Dezember 2017

Dezem-Bär
























Dezem-Bär
Lange Zeit wurde der Dezem-Bär mit dem Eis-Bären verwechselt, da auch er ein weißes Fell besitzt. Doch da hören die Gemeinsamkeiten schon auf, denn der Dezem-Bär lebt nicht ausschließlich in der Arktis. Er ist weltweit zu finden, allerdings an nur 31 Tagen im Jahr. Auf der Nordhalbkugel der Erde herrscht in dieser Zeit Winter, auf der Südhalbkugel Sommer. Der Dezem-Bär hat sich seiner jeweiligen Umgebung angepasst: Während sein Fell in den nördlichen Regionen von Tag zu Tag dichter wird, lichtet es sich in den südlichen Gefilden. In der kurzen Spanne, in der sich der Dezem-Bär zeigt, beginnt er mehr und mehr zu leuchten. Nach Augenzeugenberichten funkelt erst ein goldenes Lichtlein in seinem Pelz, sieben Tage später sind es zwei, die Woche darauf drei und in der danach schließlich vier. Einige Alltags-Bären-Forscher berichten, dass die Duftmarken, die der Dezem-Bär in dieser Zeit setzt, ein Zimt-, Nelken- und/oder Kardamom-Geruch verströmen. Eine weitere Woche später verschwindet der Dezem-Bär auf bisher noch ungeklärte Weise: Er scheint sich unter lautem Donner und Getöse in einer Art buntem Lichtermeer aufzulösen und bleibt elf Monate verschwunden.

Lebensraum: Der Dezem-Bär ist auf der ganzen Welt zu Hause, doch er macht sich, wie schon gesagt, ziemlich rar. Umso sehnlicher wird er jedes Jahr erwartet. Die Menschen, vor allem die Kinder, geraten in freudige Erregung, je näher der Zeitpunkt seiner Wiederkehr rückt. Und dass er zurückkommen wird, darauf können sich alle verlassen: Er erscheint jedes Jahr so pünktlich, dass man seine Uhr danach stellen könnte. Ist er dann endlich da, werden die Tage seiner Anwesenheit gefeiert, mit einem Schokoladestückchen oder anderen kleinen Geschenken fast täglich sowie mit Plätzchen und Glühwein für die Erwachsenen. Das ebenso zuverlässige Verschwinden des Dezem-Bärs nach 31 Tagen führte 1582 zu einer Kalenderreform: Papst Gregor XIII. erklärte den letzten Tag, an dem der Dezem-Bär sich zeigt, zum letzten Tag des Jahres.

Aus dem noch unveröffentlichten Projekt: Das kleine Lexikon der wundersamen Alltagsbären,
© Petra Bachmann, 2017

Kommentare:

  1. Was heisst denn hier,
    liebe Petra,
    dass nur die Kinder in freudige Erwartung geraten... ;)
    Deine Wortschöpfung 'Dezem -Bär' finde ich einfach grossartig!
    Jetzt noch ein Glögg (Glühwein) dazu eine Lussekatt (Safrangebäck) und ein schwedisches Weihnachtslied:
    Dann bin ich ebenfalls infiziert von dieser oben beschriebenen Stimmung :)

    Mit herzlichem Gruss in den 1.Dezember
    Hausfrau Hanna

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  2. Ja schade, liebe Hausfrau Hanna, dass ich Glögg und Lussekatt nicht zu Ihnen rüberschicken kann, aber Sie machen es sich sicher selbst recht nett und kuschelig!
    Herzliche Grüße
    Petra

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  3. Oh wie spannend....frau lernt täglich dazu.... bei Frau Quer gibt es heute sogar Schoggidezembären.... die gehören zwar nicht zur Specie rara!
    Und auf geht's
    Herzlich Brigitte

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  4. Liebe Petra,
    ein wunderbarer Text. Solche Beschreibungen, die uns in bisher unbekanntes Terrain führen und uns die Augen öffnen für die Welt, so wie sie wirklich ist, lese ich leider viel zu selten.
    Deswegen jetzt und hier, ein ernst gemeintes, Danke.
    Und der Text ist wirklich kreativ, Dezem-Bär, muss ich mir merken.

    Ich wünsche Dir einen schönen ersten Advent.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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    1. ;-D
      Danke, lieber Wolfgang, es gibt auch noch andere "Alltagsbären", ich sag nur Him-Bär, Hubschrau-Bär, Sau-Bär …
      Liebe Grüße und ein dezem-bäriges Wochenende
      Petra

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  5. Das ist ja herrlich, liebe Petra!
    Ich habe mich eben in diesen Dezem-Bär verliebt und werde sicher traurig sein, wenn er uns wieder verlässt. :-)
    Herzliche Grüsse,
    Brigitte

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    1. Ja, er ist einfach zum Gernhaben.
      Liebe Grüße
      Petra

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